DE | EN

CHRISTOF HANUSCH

AKTUELLES

Neue Instrumente in der Galerie „Historische Gitarren“

Für alle Interessierten lohnt es sich wieder einmal einen Blick in die Galerie „Historische Gitarren“ zu werfen, es sind einige Instrumente dazugekommen, von denen jetzt erst Fotos gemacht werden konnten bzw. die ich vor Kurzem von Restaurierungen zurück bekommen habe.

„Die Leuchtende“ – Gitarre Markneukirchen um 1870

Unter anderem neu in der Galerie ist das spektakuläre Instrument der Firma M. Schuster jun. Neukirchen (heute Markneukirchen), dass ich Ende 2016 nach einer aufwändigen und sehr kniffligen Restaurierung wiederbekommen habe.

Wie im Vogtland üblich, wurde auch diese Gitarre anonym gefertigt, in diesem Fall wohl für einen fürstlichen Kunden. Der Auftrag wurde vermutlich über den Verleger M. Schuster jun. an einen der herausragenden ortsansässigen Gitarrenbauer vergeben. Der Auftraggeber ließ es sich in diesem Fall nicht nehmen bei seiner hohen Kundschaft mit einem gravierten Namensschild aus Perlmutt auf dem Griffbrett für seine Firma zu werben. Auf diese Weise ist in diesem Fall jedoch wenigstens die Herkunft des Instrumentes dokumentiert.

Das Instrument mit seinem hellen Design mit den verschiedenfarbigen Perlmutteinlagen (und -bünden!) wurde offensichtlich dafür geschaffen, besonders in von Kerzen erleuchteten Räumen zu erstrahlen und hier seine Wirkung voll zu entfalten. Da sie im Kerzenschein so unglaublich funkelt und strahlt, als ob sie von innen leuchtet, erhielt sie von mir den Beinamen „Die Leuchtende“. Man beachte auch den mit Elfenbein furnierten Hals!

Ich danke der Berliner Geigenbauerin Florence Ford, die bei dieser Restaurierung wieder einmal eine unfassbare Meisterschaft bewiesen und das Instrument so wunderbar aufgearbeitet hat, dass es nun wieder in ganzer Pracht erstrahlt. Außerdem ist es wieder voll spielbar und klingt noch dazu erstaunlich gut! Mein Dank geht auch an den Gitarrenbauer Dennis Tolz, der uns beratend zur Seite stand und bei spezifischen Gitarren-technischen Problemen auch ein bisschen mitgeholfen hat.

zur Galerie >>

Gitarren-Projekte 2017: Restaurierungen und Neubau einer E-Gitarre

Das einzig fehlende Orginalteil von „Der Leuchtenden“ ist das Endstück, dass vormals den Halsstock verziert hat. Zu meinem großen Glück konnte Torsten und Friederike Preuß in Markneukirchen – die unter anderem auf feine Arbeiten mit Perlmutt spezialisiert sind – dafür gewinnen, eine schöne und zum Dekor passende Endplatte zu kreieren. Dafür musste ein passendes Stück Perlmutt gefunden werden, wir haben zu dritt mehr als eine Stunde in Kästen und Kistchen gewühlt um ein würdiges Stück zu finden. Der schwierigere Teil ist allerdings, dass der überall an den Zargen und im Hals verwendete Zierrand, das „einreihige Schachbrettmuster“ („gerader Schnurrand“) auch an dieser Stelle noch einmal auftauchen sollte. Ich hatte mich gar nicht getraut danach zu fragen, da mir dieses Unterfangen nicht ausführbar erschien, Friederike und Torsten beschlossen jedoch sofort, dass das so sein müsste und dass sie einen Weg finden den selben Zierrand auch dort als Abschluss einzusetzen! Als Endstück wird dann ein schönes und vielfältig reflektierendes Stück Perlmutt einen Glanzpunkt, in der ebenfalls überaus reich verzierten Rückansicht, setzen.

Torsten Preuß wird dieses Jahr eine Tele-Thinline mit gewölbter Decke als Spezielanfertigung für mich bauen. Die Hölzer sind schon ausgesucht und liegen bereit: Ahorn und Kirsche für den Korpus sowie ein Stück Vogelaugen-Ahorn für den Hals. Speziell wird die Bestückung mit drei unterschiedlichen Tonabnehmern und die Ausstattung mit einem Tremolo-System.

2017 möchte ich außerdem meine für eine Lautenbesaitung konzipierte und bisher unvollendete „Weißgerber“-Vihuela von 1959 spielbar machen lassen (siehe: „WEISSGERBER“ – Gitarren von/Guitars by Richard Jacob, S 297 und S 388/389). Es muss die Kopie ein Steges und passende Wirbel angefertigt werden. Außerdem sind im Laufe der Jahre viele der Bodenfugen aufgegangen, die wieder geschlossen werden müssen…
Vielen Dank an Mathias Adler von „Die Zupfgeige“ in Karlsruhe für die Möglichkeit einen Abdruck des Steges machen zu können, der für die Anfertigung einer detailgetreuen Kopie benötigt wird.

Besonders freue ich mich auch auf die Rückkehr meiner Christian Friedrich Bauer Gitarre, gebaut in Klingenthal um 1860, die derzeit noch in Italien zur Restaurierung ist.

Veranstaltungen aktuell

Mittwoch, den 5. April 2017 16 Uhr
Premiere mit dem RambaZamba „Der zertanzte Alexanderplatz“

Weitere Vorstellungen am: 06., 07. und 08. April weitere Infos >>

Bei den Proben

Christof Hanusch
Konzerte auf historischen Gitarren

Juni 2017 Schweiz
25.06. Solothurn Theater Delly
26.06. Willisau Instrumentensammlung

 

Wolf & Lehmann Hauskonzerte

Dienstag, den 09.05.2017
David Sick (Leipzig) Modern Fingerstyle Guitar

www.davidsick.de

Dienstag, den 13.06.2017
Ensemble Spiegelwelten (Berlin)
Sebastian Caspar – Violine, Olivier Merger – Violoncello, Michael Riemer – Gitarre

www.wolflehmanngitarren.de

Wir bedauern es zutiefst, dass wir unsere Reihe Wolf & Lehmann Hauskonzerte zum Sommer hin einstellen müssen. Die beiden hier annoncierten Konzerte werden vorerst die letzten öffentlichen Konzerte in unseren Räumen sein.

Neue Publikation: Gitarren 17. bis 19. Jahrhundert

Musikinstrumenten-Museum der Universität Leipzig. Katalog, Leipzig 2016
von Andreas Michel & Philipp Neumann.
296 S., 245 Farbabbildungen, 69 Abb. s/w, 47 Zeichnungen, broschiert, 21 x 21 cm
Verlag Janos Stekovics, Dößel & Verlag des Musikinstrumenten-Museums der Universität Leipzig
ISBN 978-3-89923-364-3 und 978-3-9804574-8-4
Empfehlung zum Thema historische Gitarren: Ein neues und wesentliches Werk, insbesondere zum mitteldeutschen Gitarrenbau, sei dieses Buch wärmstens empfohlen.

Prof. Andreas Michel beschäftigt sich schon einige Jahre länger als ich mit der Erforschung dieses Themas und ist für mich mit seiner umfassenden Quellenkenntnis ein wertvoller und unerlässlicher Partner im Austausch von Informationen. Dank der guten Zusammenarbeit mit Herrn Michel hatte ich die Ehre bei diesem Katalog als Lektor beteiligt zu sein.

Mit diesem Band setzt das Museum die Katalogreihe zu den Zupfinstrumenten fort. Nach der Bestandsaufnahme der Zithern, Zistern und der Gitarren der Weißgerber-Sammlung werden nunmehr die Gitarren des 17. bis 19. Jahrhunderts behandelt. Die Autoren haben sich der schwierigen Aufgabe gewidmet, den wertvollen, aber auch sehr heterogenen Fundus von über 120 Gitarreninstrumenten wissenschaftlich zu untersuchen und zu bewerten. Ausführlich behandelt und beschrieben werden in dem vorliegenden Katalog 72 Gitarren aus der Zeit vor 1900. Der Katalog enthält zahlreiche neue Erkenntnisse.

Inhalt/Textauszug >>

Email: musikinstrumentenbau@fh-zwickau.de